Thema: LISZT UND DIE FRAUEN

DIE TONKUNST, Juli 2026, Nr. 3, Jg. 20 (2026)

Im 15. Jahrhundert lässt sich beobachten, dass sich die Cantus-firmus-Verarbeitungen pluralisieren: Paraphrasen, Zitate, Motivverarbeitungen oder vollständige Übernahmen mehrstimmiger Komplexe halten Einzug in das Komponieren. Dieses Modell wird im 16. Jahrhundert sodann perfektioniert: Strukturgeber einer mehrstimmigen Komposition ist immer öfter eine andere Komposition. So erlebte der Prototyp der Parodiemesse im Fortgang des Jahrhunderts nicht nur seine Hochkonjunktur, sondern lief allen anderen Messtypen quantitativ den Rang ab. Ausgehend von dieser Beobachtung stellt das Juli-Heft der TONKUNST spannende Fragen an das mehrstimmige Repertoire: Welche Kriterien haben Komponisten bei der Wahl ihrer Vorlagen beeinflusst? Waren in erster Linie Text und Musik ausschlaggebend, oder auch außermusikalische Faktoren, die von arbeitsökonomischen Beweggründen über die Einreihung in Traditionslinien, der bewussten Nutzung populärer zeitgenössischer ›Schlager‹ bis hin zu Momenten der Identitätsstiftung reichen? Das Themenheft nimmt die vielfältigen Verfahren des Parodierens, Nachahmens und Imitierens als eine der zentralen kompositorischen Handlungsfelder der Frühen Neuzeit aus der Perspektive mehrerer Gattungen in den Blick.

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LISZT UND DIE FRAUEN
PARODIEREN, NACHAHMEN, IMITIEREN

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